Das Gewitter und Tuttlingen

"Urahne, Großmutter, Mutter und Kind

In dumpfer Stube beisammen sind... "

Das berühmte Gedicht von Gustav Benjamin Schwab, das früher noch in der Schule gelernt wurde und das viele ältere Menschen heute noch vortragen können, hat tatsächlich was mit Tuttlingen zu tun.

In einem Zeitungsbericht vom 01. Juli 1828 stand unter der Überschrift „Unglück durch Blitzschlag“ zu lesen:

„Am gestrigen Montag, den 30 Junius vom frühen Morgen an zogen mehrere heftige Gewitter über unsere Gegend herein, ohne jedoch Hagelschaden zu verursachen. Man ahnte hier in Tuttlingen, wo gewöhnlich die Gewitter schnell vorüberziehen, keine Gefahr, als um halb 8 Uhr der Blitzschlag, einer Flammensäule ähnlich, mit einem entsetzlichen Knall in ein auf der südwestlichen Seite der oberen Vorstadt gelegenes Haus einschlug und von zehn Bewohnern vier Personen weiblichen Geschlechts, im Alter von 8 bis 71 Jahren und zwar Großmutter, Mutter, Tochter und Enkeltochter tödtete und verschiedene anderen Personen, welche teils im Hause waren, teils außer demselben in Nachbarhäusern an geöffneten Fenster und Läden stunden, mehr oder weniger körperlich verletzte.“

Besonders bekannt wurde diese schauerliche Begebenheit auch dadurch, dass gerade Seine Majestät der König von Württemberg auf der Durchreise hier vorbeikam und den verunglückten Familien Unterstützung zukommen ließ.

Gustav (Benjamin) Schwab, bekannt auch durch viele Nacherzählungen von Sagen, ließ sich von dieser Zeitungsnotiz zu einer Ballade anregen, die viele Jahre einen Stammplatz in allen Lesebüchern hatte. In dichterischer Freiheit hat er eine Verwandtschaft der vier getöteten Menschen angenommen und hat außerdem das Geschehen auf einen Samstag verlegt...

Diese Ballade hat Tuttlingen fast so wie die Erzählung „Kannitverstan“ von Johann Peter Hebel in allen Landen bekannt gemacht.

Die ganze Ballade