Traditionelle Fasnet in Möhringen/Baden

Drei Höhepunkte kennzeichnen die Fasnet in dem ehemals badische Städtchen Möhringen [heute Stadtteil von Tuttlingen].
Beim Schemengericht am Schmotzigen Donnerstag verklagen und verurteilen die Hansele auf närrische Weise einen Großkopfeten; so nennen sie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Als Strafe bekommt der Angeklagte eine Anzahl Schläge auf den Allerwertesten. Der geschichtliche Hintergrund ist einleuchtend: Die Möhringer Bürger können seit Jahrhunderten auf diese Weise ihrem Unmut gegenüber unliebsamen Herrschaften Luft machen, ohne daran Schaden zu nehmen.

Die Scherbelgruppen ziehen am Fasnetsonntag und Rosenmontag von Gasthaus zu Gasthaus und wetteifern vor dem Publikum um die beste Darbietung. Sie sind zu ihrem jeweiligen Thema passend kostümiert und besitzen oft sehr hohes musikalisches Niveau. Ihren Ursprung finden die Scherbelgruppen wohl in der alten Möhringer Tradition der Fasnetsspiele, die schon vor 1870 jedes Jahr veranstaltet wurden und in der ganzen Umgebung berühmt waren. Heute wie damals wird dabei das Ortsgeschehen kritisch unter die Lupe genommen. So beklagt sich eine Scherbelgruppe im nebenstehenden Text, verfasst im Möhringer Dialekt, darüber, dass beim Hanselerennen heutzutage alle möglichen Geschenke verteilt werden, anstatt beim süßen Bonbon, genannt Mocke, zu bleiben.

Das Hanselerennen ist vor allem für die Kinder. Die Maskenträger beschenken dabei die Kleinen am letzten Tag der Fasnet, damit sie sich schon wieder auf die nächste freuen.

(Artikel entnommen aus: Kennzeichen TUT. Heimatkunde für den Landkreis Tuttlingen, S. 137 f.)

 

 

 

Narro!