Der Erfinder Anton Braun

Anton Braun – nie gehört! So geht es fast allen, die man nach dem 1686 in Möhringen geborenen Hofmathematiker am Kaiserhof zu Wien fragt. Verschollen sind nach 300 Jahren fast alle Daten über ihn.

Für seine Verdienste als Hofopticus und mechanicae mathematicus erhielt Anton Braun seinerzeit von Kaiser Karl VI. eine Belohnung von 10 000 Gulden zugesprochen. Ein Ehrenzeichen mit goldenem Kaiserbild und mit 12 Brillianten besetzt, ziert auch heute noch die Amtskette der Möhringer Bürgermeister. Mit 6000 Gulden half seine Frau mit, vor ca. 250 Jahren in Möhringen die sog. Braun-Susann’sche Stiftung zu gründen, deren Ziel es war, ein Altenheim und Krankenhaus für Möhringer Bürger zu schaffen.

Doch nun zu seiner Erfindung. Schon vor ihm versuchten viele, die Schwierigkeiten von Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division technisch zu meistern. Manche Rechenmaschine wurde konstruiert. Die von Anton Braun funktioniert jedoch als eine der ersten in der alltäglichen Praxis über Jahre hinweg.

Zwei dieser Rechenmaschinen sind erhalten. Eine steht in Wien in einem Museum, die andere im Deutschen Museum im München. Dort ziert sie die 1988 eröffnete neue Abteilung als Meilenstein auf dem Weg von der mechanischen Rechenmaschine zum elektronischen Taschenrechner.

Viele Hürden galt es zu nehmen, bis es möglich war, die Münchner Maschinen nachbauen zu können. Dies geschieht derzeit an der Feintechnikschule in Schwenningen unter der Leitung von Herrn Direktor Bölch und seine Mitarbeitern.

Fachleute vom Deutschen Museum kamen für mehrere Tage hierher, um die Rechenmaschine fachgerecht zu zerlegen. So war es erstmals möglich, technische Pläne zu zeichnen und alle Details zu fotografieren.

In der Mitte der Rechenmaschine sitzt eine Kurbel; mit ihr werden 11 Zahlenscheiben bewegt. Ergebnisse erscheinen oben auf der Deckplatte in kleinen Fenstern. Die Braun’sche Leistung dokumentiert sich insbesondere in einem treppenähnlichen kleinen Metallklötzchen, das genial einfach den Übergang von einem Zehner zum anderen bewirkt.

Äußerlich sieht die Rechenmaschine einer runden Keksdose ähnlich. Goldglänzend steht sie auf kunstvoll verzierten Füßchen. Deckel und Seitenwände sind überaus reichlich mit Gravuren verziert. Graveurmeister Burkert aus Möhringen-Vorstadt hat es übernommen, den Nachbau originalgetreu zu realisieren.

Anton Braun hat außer Rechenmaschinen auch Geräte konstruiert, mit denen man Sonnen- und Mondbahnen berechnen konnte. Im Adler-Planetarium in Chikago sind solche Erfindungen dokumentiert.

(Dieter Nickel, Artikel übernommen aus: Kennzeichen TUT. Heimatkunde für den Landkreis Tuttlingen, S. 111)

 

Einige Exponate über Anton Braun sind im Rathaus Möhringen zu besichtigen.

 

 

Rechenmaschine

von Anton Braun
Deutsches Museum München